MICHEL SARAN
Ausstellungen anlässlich der Vollendung des 80. Lebensjahr

Im Museum Begashaus in Heinsberg und im Kunstverein Heinsberg.

Eröffnung: 18.02.218 um 11 Uhr im Begashaus (eine Retrospektive)
anschließen um 13 Uhr im Kunstverein Heinsberg (aktuelle Arbeiten)

 

MICHEL SARAN
1938 geboren in Halberstadt
1959-1961 Studium der Malerei an der staatlichen Hochschule für Bildende Künste Dresden
1961 Übersiedlung in die Bundesrepublik
1961-1966 Studium an der staatlichen Kunstakademie Düsseldorf

seit 1971 lebt und arbeitet Michel Saran in Erkelenz

 


Das Werk des Künstlers Michel Saran lässt sich in keine Schublade stecken, es folgt keinem Mainstream oder einer aktuellen Kunstströmung.
Er bedient sich, ganz wie er es für notwendig hält, einer persönlichen Bild-
sprache. Dabei erprobt er unterschiedliche Techniken und Materialien.
Es ist nicht seine Intention die einmal gefundene Bildsprache zu reproduzieren, denn die Neugierde sich immer wieder anderen Herausforderungen zu stellen, treibt ihn an.
Die ihn umgebende Welt ist der Fundus, aus dem er thematisch wie formal seine Formensprache findet und weiterentwickelt.
In der Auseinandersetzung von Form und Inhalt entstehen Arbeiten, die mal dem Gegenstand verpflichtet sind und in unterschiedlichem Abstraktionsgrad reflektiert und dargestellt werden. Ein vom Gegenstand gelöstes, ungegen-
ständliches Repertoire ist ein weiteres Ausdrucksmittel, eine innere Verfasstheit sichtbar zu machen.

 


Das Frauenbildnis ist eines seiner beliebten Bildmotive, ob im Portrait oder in der Aktdarstellung offenbart er seine Hinwendung und Zuneigung zur Weiblichkeit.
Die Formen des weiblichen Aktes faszinieren ihn in ihrer Vielfältigkeit und der unterschiedlichen Prägung.
Mal sind in den Darstellungen die geschlossenen Rundungen zu einer kompakten weichen Form verschmolzen, dann wieder öffnet sich der Körper hin zum Betrachter, ohne sich zu prostituieren. Vielfach variierte Töne des Inkarnats wechseln mit starker, dem Ausdruck dienender Farbigkeit. Hier steht der Künstler ganz in der Tradition der weiblichen Akt-Darstellung.
Michel Saran empfindet eine besondere Freude durch Antiquitätenläden und Flohmärkte zu streifen auf der Suche nach Bilderrahmen mit und ohne Bildinnerem. Ihn inspirieren die alten gerahmten Bilder in ihrer unterschiedlich geformten und ornamentalen Ausstattung. Benutzt er die darin befindliche Leinwand, wird sie ohne Rücksicht auf das Motiv übermalt. Und doch scheint das Vorgefundene nicht ganz unbedeutend zu sein, da es die berüchtigte Angst vor der leeren Leinwand zu nehmen scheint.
In den vom Gegenstand gelösten Kompositionen treffen Formen und Farben aufeinander, die individuell durch ihre Ausdruckskraft und ihren Symbolwert rezipiert werden können.

 

Da trifft ein Rot, leicht variiert durch oangefarbige Pinselstrukturen, auf ein Schwarz, das mit blauen Spuren durchzogen ist. Die Trennung der Farbflächen verläuft diagonal und erhöht das leicht instabile Spannungsgefüge. Über den Rahmen hinauslaufende Farbflächen drängen nach außen und stellen eine Verbindung des Bildinnenlebens zu seinem Umfeld her.
Die Geschlossenheit eines gerahmten Bildes wird verstärkt, indem der Rahmen in seiner Form farbig akzentuiert wird und mit dem Farbspektrum der Bildgestaltung korrespondiert und die Abgrenzung zum Außenraum noch betont, intensiviert wird die Wirkung bei einer Doppelung der Rahmen in der Bildkomposition.

 


Bilder in ovalen Barockrahmen konkurieren mit bunten, senkrecht geführten Pinselspuren, die geordnet und gereiht nebeneinander ausgerichtet sind.
Alles, was gerahmt ist, steht in einer Wechselwirkung mit der inneren Gestaltung und gibt Halt. In ihrer Abgeschlossenheit hat es aber auch etwas Endgültiges.

 


Setzen wir uns nicht alle einen Rahmen, indem wir uns von anderen abgrenzen, um die eigene Individualität zu finden? Und doch müssen wir ihn überschreiten, um die Verbindung nach außen aufrechtzuhalten, damit die neuen Eindrücke Einlass finden.
Diese so unterschiedlich gerahmten Bilder mit ihren variierten Übermalungen von Michel Saran können als Metapher für den unterschiedlich geöffneten Blick in die Welt interpretiert werden. Extrovertiert und nach außen gerichtet, oder in ihrer Geschlossenheit auf eine kontemplative Innenansicht konzentriert.

Ingrid Trantenroth-Scholz