Foto: ULi Muntenbeck

HERMANN JOSEF MISPELBAUM
PLASTIK, COLLAGE, ZEICHNUNG
„ENE MENE MEI UND DU BIST FREI“
07.07 > 28.07.2019

Zur Ausstellungseröffnung und zum Sommerfest am Sonntag, den 07. Juli 2019, um 11.30 Uhr laden wir Sie und Ihre Freunde herzlich ein.

Der Künstler ist anwesend. Es erscheint eine Edition.

Öffnungszeiten Sonntag 11–17 Uhr, Samstag 15–18 Uhr, und nach Vereinbarung


VITA
1944 in Übach-Palenberg geboren

1967-1970

Studium der Angewandten Kunst sowie Malerei und
Zeichnung an der Werkkunstschule Aachen bei Prof.
Ernst Wille, Staatsexamen

1971-1976

Studium der Freien Kunst an der Kunstakademie    
Düsseldorf, Meisterschüler und Assistent von Prof.
Rupprecht Geiger

 

lebt und arbeitet in Übach-Palenberg


 



Foto: ULi Muntenbeck

Das Werk des Künstlers Hermann Josef Mispelbaum ist in seiner Komplexität auf Anhieb nicht so leicht zugänglich, obwohl einige erkennbare Alltagsgegenstände in die Arbeiten eingefügt sind. Diese Gegenstände sind nicht im Sinne des „objet trouvé“ von Duchamps zu verstehen, der die vorgefundenen Gegenstände unbearbeitet zum Kunstobjekt erhebt, eher sind sie in surrealen Gedankenwelten zu verorten. Die Auswahl der scheinbar unzusammenhängenden Dinge, ihre Zuordnungen zueinander und deren neuer Bedeutungszusammenhang sind entscheidend.
Die Verschlüsselung der einzelnen Teile und deren Gesamtaussage kann dann ansatzweise erschlossen werden, wenn die Herkunft der Dinge, deren Form und  Funktion erkannt wird. So bekommen sie in Ihrer Zuordnung zueinander einen neuen Sinnzusammenhang. Eingebettet sind die Gegenstände in überwuchernde Formen aus Gips und Pappmaché, gestützt von Holz - und Drahtkonstruktionen, die danach mit Acrylfarbe übermalt werden- ein Materialmix.                                                                                

 


Foto: ULi Muntenbeck

In der Vielfältigkeit des gesamten Gestaltungsrepertoirs in den Montagen sowie in den Collagen offenbart das Werk einen überbordenden Gedankenkosmos, in dem eine Auseinandersetzung mit der Welt, in der wir leben, sichtbar wird.
Dieses große Repertoire eingesetzter bildnerischer Mittel und Dinglichkeiten manifestiert eine Bildsprache, in der die Innenwelt des Künstlers explosionsartig nach außen drängt – sie muss sich Luft machen, weil es sonst nicht auszuhalten wäre.
Folgt man der Funktion und der inhaltlichen Bedeutung der ausgewählten Gegenstände im Gesamtkontext der gestalteten Objekte, wird deutlich, dass in ihnen zeitliche Themen reflektiert werden. Es sind Stellungnahmen zur aktuellen Politik, zum Weltgeschehen oder zum allgemeinen menschlichen Miteinander, nie aber sind sie als moralischer Fingerzeig zu verstehen.
Im Tun wächst und wuchert das Werk wie die Natur, wenn sie sich ungestört entfalten kann, und so findet der Künstler die ihm angemessenen Gestaltungsmittel, um seinen Gedanken Ausdruck zu verleihen.
Das aus vielen Bereichen entnommene unterschiedliche Formenrepertoire der Objekte wird durch die Übermalung mit weitgehend Unbunten Farben beruhigt. Diese zurückgenommene Farbigkeit zügelt das scheinbare Chaos zu Gunsten einer geschlossenen, ästhetischen Gesamtkomposition, ohne dass die Inhalte der aufgeworfenen Probleme verdrängt werden, sie kommen nur leiser daher.


 


Foto: ULi Muntenbeck

In den Zeichnungen und Collagen ist die Bildsprache reduziert. Dominantes Gestaltungsmittel ist die Linie, die die einzelnen abstrakten Formen mit den Gegenstandsformen verbindet. Aus der Fläche heben sich plastische Elemente hervor, spielerisch öffnet sich die Fläche zum Raum und in den Kompositionen entsteht ein harmonisches Gleichgewicht von linearen Strukturen und figurativen Formen. Auch in diesen Werkstücken verbleibt die weitgehend unbunte  Farbskala, die das Gesamtwerk prägt, erhalten.

 


Foto: ULi Muntenbeck
Die Titel, die Hermann Josef Mispelbaum seinen Collagen und Montagen zuordnet („Garten der Endlichkeit“, „die Geburt der Anarchie“, „Euregio Express“), können ein Tor zum Verständnis sein, vielleicht führen sie aber auch zunächst in die Irre, um den Betrachter herauszufordern sich intensiver mit dem Werk auseinander zu setzen. Dann entdeckt man auch die humoristische und satirische Seite des Künstlers. Sie scheint gleichfalls ein Ventil zu sein, nicht an den eigenen Verletzungen und der Unzulänglichkeit der menschlichen Existenz zu verzweifeln. Durch das eigene schöpferische Tun ergreift er die Möglichkeit, sich selbst, seine Existenz und sein Innenleben ins Gleichgewicht zu bringen, mit den ihm zur Verfügung stehenden künstlerischen Mitteln.
Bei aller Überlegung und Interpretationsmöglichkeit verbleiben doch noch Rätsel, die, so glaube ich, der Künstler auch in der Schwebe halten will, um nicht seine ganze Innenwelt offenzulegen und in diesem Offenhalten gibt er auch dem Betrachter die Möglichkeit den eigenen Gedanken nachzuspüren.
Die vielfältigen Skulpturen, Collagen und Zeichnungen dieses surrealen und poetischen Kunstwerks, das so spielerisch wie von Kinderhand gemacht daher kommt, ist das Spiegelbild komplexer Gedanken, die Hermann Josef Mispelbaum mit seinen ihm verfügbaren Ausdrucksmitteln kongenial zu materialisieren weiß.

Ingrid Trantenroth-Scholz


Foto: ULi Muntenbeck