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  • CHRISTA WALTERS

    MALEREI – PAPIERARBEITEN

    „GROßE FREIHEIT Nr. 1“

    06.09. – 27.09.2026 

    Zur Ausstellungseröffnung und zum Sommerfest am Sonntag, den 06. September 2026, um 11.30 Uhr laden wir Sie und Ihre Freunde herzlich ein. Die Künstlerin ist anwesend. Es erscheint eine Edition und ein Katalog. Kuratorin: Maria Sieberg

    Öffnungszeiten
    Sonntag 11–17 Uhr, Samstag 15–18 Uhr, und nach Vereinbarung.

    VITA

    1948 geboren in Heinsberg
    Europäische Kunstakademie, Trier
    Klasse: Freie Malerei, Dozent: Ch. Henn und J. Allen
    Seit 1983 freischaffende Künstlerin
    Preisträgerin 1991/92 „Aktion Kunstblatt“, Rheinische Post, Düsseldorf
    Erster Preis Kat. Malerei „Europäische Impressionen“, Ozimek (PL)
    Arbeiten in öffentlichen Sammlungen
    Lebt und arbeitet in Heinsberg

    Christa WalterS kann in ihrer langjährigen künstlerischen Karriere auf zahlreiche Einzel- und Gruppenausstellungen, auf Preise und auf Arbeiten in öffentlichen Sammlungen zurückblicken. Umfassende Informationen dazu sind auf ihrer Homepage www.christa.walters.de und in dem exklusiv für die Ausstellung produzierten Katalog „Große Freiheit No. 1“ zu finden. 

    Christa Walters Werke sind weitgehendst gegenstandslos und konzentrieren sich auf den Dialog zwischen den bildnerischen Elementen. Es ist ein ständiges Ausloten der Möglichkeiten des Materials und deren künstlerischer Gestaltung mit Farbgebung, Pinselduktus, Linien, Flächen, Formen, Textfragmenten und Kompositionen. Die Motivation für ihr künstlerisches Schaffen ist ihr innerer Drang, Gefühle auszudrücken, oder zuweilen auch zu verbergen. Es ist keine abstrakte Kunst im Sinne einer konstruierten, sondern einer persönlich expressiven Ästhetik. Dabei sind die Malerei und Papierarbeiten ihre bevorzugten Arbeitsbereiche, in denen sie ein breit gefächertes Repertoire an Techniken entwickelt hat, die vielfältig miteinander kombiniert werden. 

    In Christa Walters Acryl-Malerei auf Leinwand mit dem Titel „Fly me to the moon“ arbeitet sie mit einer hellen farblich nuancierten Grundfläche, auf die markant mit deutlich erkennbarem Pinselduktus Abwandlungen der Grundfarben Cyan, Gelb und Magenta wie zufällig eingestreut in den Raum treten, dezentral und schwebend wie farbige Planeten oder die Pole der Malerei andeutend. Kantige und weiche Linien erzeugen die Vorstellung von Bewegung und setzen die verschiedenen Bildelemente in eine Beziehung. Kleine Farbsprenkel geben dem Raum eine kosmische Tiefe fernster Galaxien. Übermalungen werden sichtbar, die Einblicke und Transparenz gewähren, aber gleichzeitig auch verbergen und verschleiern. Die manchmal kaum wahrnehmbaren tonalen Übergänge des Untergrunds verschmelzen mit den markanter gesetzten Farbakzenten wie durch ein sanft ineinanderfließendes Farbkondensat. Insgesamt wird eine Atmosphäre von subtiler Transparenz, Licht und schwebender Leichtigkeit erzeugt. Nur mit dem schwarzen Balken am unteren Bildrand assoziiert man gegebenenfalls eine gewisse Bodenhaftung oder Verankerung. Allerdings haftet auch dem Schwarz in der mittleren Bildfläche eine gewisse Schwere an. Das sind Kontraste und Widerstände, die sich der Leichtigkeit zwar entgegenstellen, ohne sie jedoch zu verhindern.

    Bild 1: „ohne Titel“, Acryl auf Leinwand, 2021, 140 x 100 cm

    Die Komposition dieses Gemäldes in Mischtechnik „ohne Titel“ ist fest an das Zentrum einer horizontalen Linie im oberen Drittel des Bildes ausgerichtet. In der Farbgebung ist Grün und Schwarz dominant, jedoch sind auch gelbliche und rötliche Nuancen vorhanden. Dynamisch, wischende Farbflächen, feine, krakelig-nervöse Linien kontrastieren mit der Weichheit des Untergrundes. Eine sanfte Harmonie sieht sich einer stürmischen Bewegtheit gegenüber, die sich aus der malerischen Gestik nährt. Denn, obschon das Werk im eigentlichen Sinne gegenstandslos ist, so lassen sich doch die Assoziation an eine vom Wind bewegte Landschaft mit Gebüsch oder Bäumen kaum verhindern. Auch die Horizontlinie lässt sich als Zaun vorstellen und die darunter liegende Spiegelung verweist vielleicht auf eine Wasserfläche.

    Bild 2: „ohne Titel“, Mischtechnik, 2018, 140 x 100 cm

    Das zentrale Element dieser Komposition in Mischtechnik „ohne Titel“ ist eine vertikale Linie in kräftigen Rot- und Orangetönen, die das Bild in zwei Hälften teilt. Auf einer Grundfläche mit hellen Farbnuancen steht eine markante Farbspur, die zusätzlich mit Schriftelementen versehen ist, kryptische Bleistift- oder Buntstiftzeichnungen sowie handschriftlichen Notizen. Unten links findet sich deutlich lesbar „TEXT ELIN BELL“, auch das Wort „Zeit“ ist erkennbar. Die Spuren der Schrift sind teils lesbar oder übermalt halb ausgelöscht, offen und verborgen. Die Schrift oder das Wort werden zu abstrakten Zeichen, die das Wesentliche als Essenz der Gefühle und Gedanken erfassen. Wie ein visuelles Gedicht sind sie mit Emotion und Bedeutung geladen, die den Betrachter auf persönlicher Ebene ansprechen wollen. Der Gewinn und Verlust von Bedeutung kann durch diesen fließenden „Text“ die Vorstellung von Vergänglichkeit und die Vermischung von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft evozieren. Die rote Farbspur erweckt die Vorstellung einer tiefen Wunde und assoziiert allgemein die Verletzlichkeit unseres Seins.

    Bilder 3 und 4: „ohne Titel“, Malerei auf Leinwand und Glas, je 40 x 30, 2026

    Christa Walters hat eine Technik entwickelt, die Malerei auf Leinwand mit Malerei auf Glas kombiniert, wobei die Abdeckung mit Glas ganzflächig oder nur teilweise vorgenommen wird. Durch diese Schichtung bekommt die Malerei mehr Tiefe. Die Malerei auf dem Glas kann die darunter liegende Malerei auf Leinwand verbergen und zu einem Geheimnis machen, oder sie lässt mit einer gewissen Transparenz Durchblicke auf das Ursprüngliche zu, das dadurch zu einer Spur oder Erinnerung wird. Das Glas ist nicht bloß ein Träger für zusätzliche Farbe, sondern wird selbst zu einem aktiven Bestandteil des Bildes. Es fügt der Materialität der Leinwand als Kontrast etwas Durchlässiges, Flüchtiges und Spiegelndes hinzu. Die geschichteten Werke können dunkel, geschlossen und schwer wirken, aber auch hell, offen und transparent. Sie können Sichtbarmachen, Verbergen, Verdichten oder Auflösen (Bilder 3 und 4). 

    Bild 5: „ohne Titel“, Mischtechnik, 2026, 60×50 cm und 60×70, 2026

    Wird der Kombination von Leinwand und Glas noch gefaltetes oder geriffeltes Papier hinzugefügt dehnt sich die zweidimensionale Fläche der Leinwand immer stärker in den Raum und gewinnt reliefartige und haptische Qualitäten dazu. In diesem Fall ist das Kunstwerk aus zwei Teilen zusammengesetzt. Unten Glasmalerei 60×50 cm und darüber Leinwand und geriffeltes Papier 60×70 cm. Kompositorisch ist das zusammengesetzte Bild klar in drei horizontale Ebenen geteilt. Die Farbgebung ist bis auf eine kleine rote Fläche oben links im Bild sparsam in Grautönen gehalten. Von unten nach oben gelesen kann man assoziieren: In der Tiefe des Meeres, Blick auf das Meer bis zum Horizont und darüber der bewölkte Himmel. Aber das sind nur abwandelbare Vorstellungen eines Rezipienten, denn letztlich bleibt es ein abstrakt expressives Kunstwerk. Die Spuren der künstlerischen Gestaltung werden hierbei nicht nur dargestellt, sondern sie entstehen durch die Bearbeitung des Materials selbst. Christa Walters malt nicht einfach auf Materialien, sondern sie setzt sich mit den Eigenschaften der Materialien auseinander und macht sie sichtbar. 

    Bilder 6 und 7: „Buch von der Liebe“, Mischtechnik, 2020, 27x 18 cm 

    Christa Walters sammelt Papiere aller Art, bearbeitet sie künstlerisch mit Malerei, Zeichnung, fragmentarischen Schriftzügen oder gestischer Lineatur, oszillierend zwischen Lesbarkeit und malerischer Spur. Diese Malereien auf Papier bündelt und bindet sie zu Büchern. Von der Malerei auf Leinwand, über reliefartige Malereien auf collagierten Untergründen ist Christa Walters mit diesen Büchern in der dreidimensionalen Objektkunst angelangt. Die sichtbare Bindung und die unregelmäßig überstehenden Seiten betonen dabei die Körperlichkeit des Objekts. Diese Bücher der bildenden Kunst von Christa Walters sind aber keine literarischen Träger einer lesbaren Geschichte, sondern sie sind Bildträger von Emotion, Erinnerung, Nähe und Verletzlichkeit. Es ist gemalte Poesie in Form eines Tagebuchs, ganz im Sinne Picassos, der einmal meinte Malen sei nur eine andere Art, ein Tagebuch zu führen.

    Maria Sieberg

    Alle Fotos der Werke wurden von Uwe Piper erstellt.

    Edition 158

    CHRISTA WALTERS

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