MALEREI/ZEICHNUNG
„PERFECT DAY“
23.06. – 14.07.2013

Zur Ausstellungseröffnung am Sonntag, den 23. Juni 2013, um 11.30 Uhr laden wir Sie und Ihre Freunde herzlich ein.
Die Künstlerin ist anwesend.
Es erscheint eine Edition.
Öffnungszeiten:
Sonntag 11–17 Uhr, Samstag 15–18 Uhr, und nach Vereinbarung
VITA
Anja Bayerwaltes ist 1969 in Aachen geboren.
Von 1990 – 95 studierte sie Malerei an der
Academie Beeldende Kunsten in Maastricht (N).
Sie ist als Dozentin für Malerei an der Kunsthochschule
in Maastricht und in der Bleiberger Fabrik in Aachen tätig.
Die Künstlerin lebt und arbeitet in Lüttich (B).
In Einzel- und Gruppenausstellungen ist Anja Bayerwaltes
international seit vielen Jahren vertreten.

Der Blick aus dem Fenster auf Landschaft oder Straßenraum und die wache Beobachtung von Geschehnissen, Farbstimmungen und Lichtphänomenen bestimmen das Werk von Anja Bayerwaltes. Stets ist es ein abstrahierender malerischer Blick, den sie als reduzierte Zeichnung oder farbliche Umsetzung zu einem Wahrnehmungsbild verarbeitet, bei dem Tiefenschichten miteinander verschmolzen werden und den Betrachter zu einem genauen und selektiven Sehen zwingen.

Dabei sucht sie im Alltäglichen die Besonderheit eines Moments, der sich in Konstellationen von Personen, Gegenständen und vor allem Farbwerten ergibt und der der Empfindung eines perfekten Tages entspricht. Das Vorbild wird aber stets so überarbeitet, dass der Wahrnehmungsvorgang selbst zum Thema wird. Eine Serie zeigte Landschaften hinter einem Vorhang, der durch Innenbeleuchtung teils farbverschoben ist. Die in Schlaufen und Wellen liegenden Tüllmuster überlagern aber nicht den Landschaftsausschnitt als Fremdkörper, sondern in das zuerst gemalte Gardinenraster wird die Landschaft mosaikartig nacherfunden – mechanisch getrennt, aber optisch gebunden -, wodurch ein abstraktes Bild mit lauter autonomen Flächen entsteht. Malerei, kein Abbild der Wirklichkeit.

Die starke Farbigkeit ist in den letzten Werken, bei denen im Hintergrund nur noch nächtliche Neonlichtschemen zu erahnen sind, zu Gunsten tonaler Wirkungen zurückgenommen. Das unbestimmbare Flirren von Vorder- und Hintergrund, die Wahrnehmung des Bildlese- und Fokussierungsvorgangs und der eigentümliche Sfumato-Zwischenraum, der entsteht, sind Anja Bayerwaltes Beitrag zum klassischen Figur und Grund-Problem flächiger Tiefendarstellung, das sie seit über 10 Jahren beschäftigt.

Die Gemälde breiten das Sehmaterial aus und ermöglichen eine Dynamik des Sehens, die Tagtraumqualität besitzt. Die Aquarelle akzentuieren die Farberfahrung teils über Interpunktionen oder Spiegelungen zu abstrakter Flächenautonomie, die Zeichnungen verknappen die Bildaussage über Comictraditionen hinaus zu einer Art linearem Haiku, einer autonomen Graphik.
Verfasser: Dirk Tölke
Edition 99
ANJA BAYERWALTES

Titel: „neighbours“ 2013
Technik: Tuschestift und Marker auf Papier
Auflage: 25 Unikate, signiert und nummeriert
Die Edition „neighbours“, die Anja Bayerwaltes für die Ausstellung im Kunstverein erarbeitet hat, nimmt die typische Sichtweise und kompositionelle Gliederung ihrer Zeichnungen auf. Beobachtungen aus dem Fenster ihrer Wohnung an der Maas werden zu unterschiedlichen Zeiten festgehalten und damit bleibt ein Teil des Motivs konstant. Durch den Wechsel der Personen und der vorbeifahrenden Schiffe ändert sich die Darstellung situativ. Die Linienführung, die sparsame nur akzentuiert wird und der größerem aus stellenweise Abstand betrachtete Ausschnitt, prägen die Komposition. Die Beobachtung aus der Distanz und dem Verborgenen sind verantwortlich für das Spontane der Darstellung, sowie für ein besonderes Spannungsverhältnis der stark verkleinerten Personen im Verhältnis zu der Fläche des Zeichenblattes. Die im weitesten Sinne als „Fensterbilder“ Zubezeichnenden Arbeiten der Künstlerin haben auch in den Zeichnungen der Edition ihre inhaltliche Entsprechung.